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Neues Molekül Ophthalmat übertrifft in der Wirksamkeit L-Dopa und bietet Hoffnung für Parkinson Patienten

Bahnbrechende Entdeckung: Ophthalmat reguliert Motorik unabhängig von Dopamin

Eine neue Studie hat ein überraschendes Molekül identifiziert, das eine Schlüsselrolle bei der Kontrolle von Bewegungen spielt – und es ist nicht Dopamin. Diese Entdeckung könnte unser Verständnis von Bewegungsstörungen wie Parkinson revolutionieren und neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen.

Die unerwartete Rolle von L-DOPA

Forscher beobachteten ein faszinierendes Phänomen bei Mäusen mit Parkinson-ähnlichen Symptomen: L-DOPA, eine Vorstufe von Dopamin, verbesserte die motorischen Funktionen selbst dann, wenn seine Umwandlung zu Dopamin blockiert wurde. Dies deutete auf einen bisher unbekannten, dopaminunabhängigen Mechanismus hin.

Ophthalmat: Der neue Akteur auf der Bühne

Durch umfangreiche metabolomische Analysen identifizierten die Wissenschaftler Ophthalmat, ein Tripeptid, als Hauptverdächtigen. Die Gehirnspiegel dieses Moleküls stiegen um das 20-fache an, wenn die Mäuse ihre höchste motorische Aktivität zeigten.

Wichtige Erkenntnisse:

– Direkte Verabreichung von Ophthalmat ins Gehirn verbesserte die motorischen Defizite bei Parkinson-Mäusen.
– Ophthalmat bindet an und aktiviert den Calcium-sensing Rezeptor (CaSR).
– Ein CaSR-Antagonist blockierte die motorikverbessernden Effekte von Ophthalmat.

Implikationen für die Behandlung von Bewegungsstörungen

Diese Entdeckung eröffnet völlig neue Perspektiven für das Verständnis und die Behandlung von Bewegungsstörungen:

1. Neue Therapieansätze: Medikamente, die auf Ophthalmat oder den CaSR abzielen, könnten entwickelt werden.
2. Personalisierte Medizin: Patienten, die nicht gut auf dopaminbasierte Therapien ansprechen, könnten von diesem alternativen Weg profitieren.
3. Reduzierte Nebenwirkungen: Behandlungen, die nicht auf das Dopaminsystem abzielen, könnten weniger unerwünschte Effekte haben.

„Diese Studie zeigt eindrucksvoll, wie komplex die Kontrolle unserer Bewegungen ist. Sie öffnet die Tür für völlig neue Behandlungsansätze bei Parkinson und anderen Bewegungsstörungen.“

Weitere Forschung ist notwendig, um das volle Potenzial dieser Entdeckung zu erschließen. Klinische Studien am Menschen werden der nächste wichtige Schritt sein, um die Wirksamkeit und Sicherheit von Ophthalmat-basierten Therapien zu untersuchen.

Diese bahnbrechende Forschung unterstreicht einmal mehr die Bedeutung der Grundlagenforschung für medizinische Durchbrüche und gibt Hoffnung für Millionen von Menschen, die weltweit von Bewegungsstörungen betroffen sind.

 

Sammy Alhassen, Derk Hogenkamp, Hung Anh Nguyen, Saeed Al Masri, Geoffrey W Abbott, Olivier Civelli, Amal Alachkar

Brain, Volume 147, Issue 10, October 2024, Pages 3379–3394, https://doi.org/10.1093/brain/awae097