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Direkter Vergleich führender Bluttests für Pathologie der Alzheimer-Krankheit

A. Bahnbrechende Studie vergleicht Bluttests für Alzheimer-Krankheit

Eine neue Studie unter der Leitung von Dr. Suzanne E. Schindler von der Washington University in St. Louis hat erstmals die führenden Bluttests zur Erkennung der Alzheimer-Krankheit direkt miteinander verglichen. Die Ergebnisse, die kürzlich in der Fachzeitschrift Alzheimer’s & Dementia veröffentlicht wurden, könnten die Diagnose und Behandlung dieser verheerenden Krankheit revolutionieren.

Die Forscher analysierten Blutproben von 392 Teilnehmern der Alzheimer’s Disease Neuroimaging Initiative (ADNI) mit sechs verschiedenen kommerziellen Tests. Dabei untersuchten sie, wie gut die Tests Alzheimer-spezifische Veränderungen im Gehirn vorhersagen konnten, die durch PET-Scans und andere Methoden nachgewiesen wurden.

Überraschende Ergebnisse

Entgegen der Erwartungen zeigte sich, dass ein einziger Biomarker – das phosphorylierte Tau-Protein 217 (p-tau217) – am besten mit allen untersuchten Alzheimer-Merkmalen korrelierte.Dies galt sowohl für die Ablagerung von Amyloid-Plaques und Tau-Proteinen im Gehirn als auch für Veränderungen der Hirnstruktur und kognitive Symptome.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass p-tau217 im Blut ein vielversprechender Biomarker ist, der verschiedene Aspekte der Alzheimer-Pathologie widerspiegelt“, erklärt Dr. Schindler. „Dies könnte die Diagnose vereinfachen und den Einsatz in klinischen Studien erleichtern.“


Bedeutung für Patienten und Forschung

Die Studie hat wichtige Implikationen:

1. Vereinfachte Diagnostik: Ein einziger Bluttest könnte ausreichen, um Alzheimer-Veränderungen im Gehirn zuverlässig nachzuweisen.

2. Früherkennung: Die Tests könnten Alzheimer-Veränderungen erkennen, bevor Symptome auftreten.

3. Personalisierte Medizin: Die Testergebnisse könnten helfen, geeignete Patienten für bestimmte Therapien zu identifizieren.

4. Kosteneinsparungen: Bluttests sind deutlich günstiger und einfacher durchzuführen als aufwendige Hirnscans.

Herausforderungen und Ausblick

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse gibt es noch Herausforderungen. So war die untersuchte Kohorte relativ klein und wenig divers. Weitere Studien mit größeren und vielfältigeren Teilnehmergruppen sind nötig, um die Ergebnisse zu bestätigen.

Zudem müssen die Tests noch weiter optimiert und standardisiert werden, bevor sie in der klinischen Praxis eingesetzt werden können. Dennoch sehen Experten in den Bluttests ein enormes Potenzial für die Zukunft der Alzheimer-Forschung und -Behandlung.

„Diese Studie ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einfacheren und kostengünstigeren Methoden zur Früherkennung und Überwachung der Alzheimer-Krankheit“, resümiert Dr. Schindler. „Sie könnte den Weg für eine bessere Versorgung von Millionen von Patienten weltweit ebnen.“

Die Forschung an Bluttests für Alzheimer schreitet rasch voran. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich diese vielversprechende Technologie in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird.

Quelle:

 

 

B. Wie unterscheiden sich die führenden Bluttests für Alzheimer laut Schindler voneinander

 

Hier sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie von Schindler et al. zum Vergleich der führenden Bluttests für Alzheimer:

– Plasma p-tau217 zeigte unabhängig vom spezifischen Test die höchste Genauigkeit bei der Klassifizierung von Amyloid-PET-Status, Tau-PET-Status, kortikaler Dicke und Demenzschwere.

– Die höchste Genauigkeit bei der Klassifizierung des Amyloid-PET-Status hatten Modelle, die sowohl p-tau217 als auch Aβ42/Aβ40 enthielten, von C2N PrecivityAD2 und Fujirebio Lumipulse.

– C2N PrecivityAD2 %p-tau217 hatte die stärkste Korrelation mit der Amyloid-PET-Belastung, insbesondere bei kognitiv unauffälligen Personen.

– Plasma Aβ42/Aβ40 allein hatte eine deutlich geringere Genauigkeit bei der Klassifizierung des Amyloid-PET-Status.

– p-tau217-Tests zeigten auch eine hohe Genauigkeit bei der Klassifizierung des frühen Tau-PET-Status.

– p-tau217 hatte stärkere Assoziationen mit kortikaler Dicke und kognitiver Beeinträchtigung als NfL.

– Bei kognitiv beeinträchtigten Personen erreichten die vier p-tau217-Tests eine Genauigkeit von etwa 90% für den Amyloid-PET-Status, vergleichbar mit zugelassenen CSF-Tests.

– Die Leistung der Bluttests war in dieser Studie vergleichbar mit CSF-Tests bei der Klassifizierung des Amyloid-PET-Status.

Insgesamt zeigte sich p-tau217 als vielversprechendster Biomarker, der verschiedene Aspekte der Alzheimer-Pathologie widerspiegelt.

 

 

C. Welche Bluttests sind derzeit in Deutschland zugelassen

 

Derzeit sind in Deutschland noch keine Bluttests für die Alzheimer-Diagnose offiziell zugelassen oder in der klinischen Routinediagnostik etabliert. Die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich schreitet aber rasch voran. Einige wichtige Punkte zum aktuellen Stand:

– Mehrere Bluttests befinden sich in fortgeschrittenen Entwicklungsstadien und werden in Studien evaluiert, sind aber noch nicht für den breiten klinischen Einsatz zugelassen.

– Vielversprechende Biomarker im Blut sind vor allem phosphoryliertes Tau (p-tau), Beta-Amyloid und neurofilamentäres Leichtprotein (NfL).

– Einige Tests wie der PrecivityAD-Test von C2N Diagnostics oder der Lumipulse G β-Amyloid Ratio (1-42/1-40) Test von Fujirebio sind in den USA bereits als Laborentwicklungstests (LDTs) verfügbar, in Deutschland aber noch nicht zugelassen.

– Die europäische Arzneimittelbehörde EMA und das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) prüfen derzeit verschiedene Bluttests, eine Zulassung wird in den nächsten Jahren erwartet.

– Experten gehen davon aus, dass Bluttests in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Früherkennung und Diagnose von Alzheimer spielen werden, zunächst aber eher ergänzend zu bestehenden Methoden wie Liquordiagnostik und Bildgebung.

– Bis zur offiziellen Zulassung und Etablierung in der Routinediagnostik werden die Tests voraussichtlich vor allem in der Forschung und klinischen Studien eingesetzt.

Zusammenfassend gibt es also vielversprechende Entwicklungen, aber aktuell noch keine in Deutschland zugelassenen Bluttests für die Alzheimer-Diagnostik in der klinischen Praxis. Dies wird sich in den nächsten Jahren aber voraussichtlich ändern.